Produktrückrufe – ein Fall für die Kennzeichnung
Trotz hoher Qualitätsstandards in Fertigungslinien kann es zu Fehlern entlang der Wertschöpfungs- und Lieferkette kommen. Ob verunreinigte Lebensmittel, unsichere Bauteile oder falsch deklarierte Inhaltsstoffe: Gelangen mangelhafte Produkte in den Handel, ist umgehendes Handeln der Hersteller und Vertreiber gefragt, um Verbraucher zu schützen. Andernfalls drohen herber Imageverlust, hohe Umsatzeinbußen und empfindliche Schadensersatzforderungen. Erfahren Sie, wie industrielle Kennzeichnungen dabei helfen, Rückrufe schneller und sicherer durchzuführen.
Gesetzliche Grundlagen für Rückrufe
Die rechtlichen Grundlagen für Rückrufe sind in Deutschland durch das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) sowie durch Verordnungen der Europäischen Union geregelt. Immer dann, wenn durch Produktfehler ernsthafte Sach- und Personenschäden drohen, muss ein Produktrückruf in Erwägung gezogen werden. Dabei wird meist der Umtausch oder die Nachbesserung der betroffenen Ware angeboten.
Rückrufaktionen basieren nicht nur auf der Risikobewertung durch die Hersteller, sondern können auch von Kontrollbehörden angeordnet werden. Automobilhersteller sind gesetzlich verpflichtet, das Kraftfahrt-Bundesamt einzuschalten.
Aktuell durch EU-Gesetze zur Rückverfolgbarkeit verpflichtet sind in erster Linie alle Unternehmen, die an der Herstellung und Wertkette folgender Produkte beteiligt sind:
- Lebensmittel (s. Verordnung (EG) Nr. 178/2002)
- Explosivstoffe (s. 2012/4/EU)
- verschreibungspflichtige Arzneimittel (s. 2011/62/EU)
Rückverfolgbarkeit durch industrielle Kennzeichnungen
Um die unsicheren Produkte näher eingrenzen zu können, muss ihre Rückverfolgbarkeit gewährleistet sein. Diese ermöglicht ein zuverlässiges "Tracing" der Ware vom Verbraucher bis zum Erzeuger.
Mitunter ist genau vorgeschrieben, wie die Produktkennzeichnung auszusehen hat: Welche Produktionsdaten wo vermerkt werden müssen, wie sie codiert sein sollen und welche zusätzlichen Sicherheitsmerkmale gefordert sind. Produktionseinheiten können etwa anhand der Loskennzeichnung, der Chargennummer oder anhand eines Mindesthaltbarkeitsdatums gezielt bis zum Herstellungszeitraum und -ort zurückverfolgt werden.
In vielen Bereichen kommen auch bereits 2D-Codes wie zum Beispiel der Data Matrix Code zum Einsatz, weil sie viele Daten auf kleinster Fläche verschlüsseln können und eine höhere Fehlertoleranz beim Auslesen aufweisen.
Erhöhter Produktschutz mit Serialisierung und Co.
Kennzeichnungen verringern nicht nur den zeitlichen und finanziellen Aufwand für Rückrufaktionen sowie für die Ursachenanalyse. Sie können zugleich vor unberechtigten Produkthaftungsklagen schützen, die auf gefälschte Waren zurückzuführen sind.
In einigen Branchen, darunter der Pharmaindustrie, kommt die Serialisierung zum Einsatz, um spezifische Produkte eindeutig zu identifizieren. Dabei wird auf jedes Produkt eine einmalige Seriennummer aufgebracht, die in einer zentralen Datenbank hinterlegt ist und beim Verkauf auf ihre Gültigkeit gegengeprüft werden kann.
Weitere wirkungsvolle Methoden für den Produktschutz umfassen:
- Siegeletiketten mit Erstöffnungsschutz (Tamper Evident)
- Sicherheitsetiketten mit schwer nachzuahmenden Merkmalen (z. B. Hologramme)
- RFID-Etiketten mit winzigen Transpondern
- Spezielle Sicherheitstinten (z. B. unsichtbare UV-Tinten)
- Abriebfeste, manipulationssichere Lasermarkierungen
Die richtige Kennzeichnungstechnologie finden
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Produkte eindeutig, fehlerfrei und lückenlos zu kennzeichnen. Welche im einzelnen Anwendungsfall am besten geeignet ist, richtet sich nach verschiedenen Kriterien, wie z. B. der Verpackungsoberfläche oder der Produktionsgeschwindigkeit. Die Experten von Bluhm Systeme beraten Sie gerne persönlich zur geeigneten Lösung für Ihr Unternehmen. Am gängigsten sind die drei folgenden Technologien.
Etikettierung
Etikettiersysteme können Verpackungen und Paletten vollautomatisch etikettieren. Sie sind robust, modular anpassbar und effizient und können sogar unterschiedlich hohe Kartons direkt im Durchlauf etikettieren. Hinzu kommt, dass Etiketten per Thermotransferdruck ein besonders langlebiges und kontrastreiches Druckbild erhalten. Dies kommt vor allem den hohen Anforderungen an die Maschinenlesbarkeit bei der Zusammenarbeit mit Logistik- und Handelspartnern zugute.
Direktdruck mit Tinte
Industrielle Inkjet-Drucker bieten eine kostensparende Möglichkeit, um Produkte schnell und berührungslos mit ständig wechselnden Druckinhalten zu beschriften. Die Methode ist daher ideal für unebene und empfindliche Oberflächen. Zudem sind die Systeme sehr kompakt und flexibel, sodass sie besonders einfach in die vorhandene Produktionsstraße eingebaut werden können. Etikettenmaterial wird eingespart, da beim Inkjet-Druck eine Direktbeschriftung erfolgt. Es steht eine Vielzahl unterschiedlicher Tinten für verschiedenste Anforderungen zur Verfügung.
Laserbeschriftung
Auch Laserbeschrifter können Produkte oder Verpackungen berührungslos direkt beschriften und für nahezu alle Materialien geeignet. Durch das stark gebündelte Licht entstehen Kennzeichnungen, die extrem dauerhaft, präzise und fälschungssicher sind. Zudem sind Laser äußerst verschleißarm und nahezu wartungsfrei. Sie punkten auch in puncto Nachhaltigkeit, weil sie keine Verbrauchsmittel wie Etiketten oder Tinte benötigen.
Übersicht der Kennzeichnungs-Technologien
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- Kennzeichnungsverfahren im Vergleich – Etiketten, Tinte oder Laser?
- Was muss man bei der Anschaffung eines Systems beachten?
- Wie finde ich die richtige Lösung für meine Anwendung?