Fälschungsschutz mit Etiketten
Produktpiraterie verursacht weltweit Milliardenschäden – und betrifft längst nicht mehr nur Konsumgüter, sondern zunehmend auch B2B-Branchen wie Maschinenbau oder Pharma. Sicherheitsetiketten bieten wirksamen Schutz vor Manipulation und Fälschung. Von Void- und Hologramm-Etiketten über serialisierte Barcodes bis hin zu RFID-Lösungen: Moderne Kennzeichnungstechnologien kombinieren analoge und digitale Sicherheitsmerkmale und ermöglichen eine zuverlässige Authentifizierung entlang der gesamten Lieferkette.
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Erfindergeist und Qualität sprechen für sich? Nicht immer, denn die Zahl der Fälschungen und Manipulationen an Produkten und in der Logistikkette nimmt stetig zu. Sicherheitsetiketten für verschiedene Einsatzszenarien bilden die erste Reihe der Verteidigung.
Mit Sicherheitsetiketten gegen Produktpiraterie
Früher waren es Wein und Öl, dann Reliquien und Urkunden, inzwischen wird alles gefälscht, was sich effizient kopieren lässt: Software, Musik, Filme, News, Luxusgüter und Modekleidung, Sportbekleidung, Parfum, Spielzeug, Flugzeugbauteile, Autozubehör und Arzneimittel. Je wertvoller, desto besser. In Zahlen: Die OECD hat schon vor Jahren geschätzt, dass gefälschte Waren über 500 Milliarden US-Dollar oder rund 3,3 Prozent des gesamten Welthandels ausmachen. Und laut „Forbes“ war die Produktpiraterie 2018 das größte Marktsegment krimineller Unternehmen mit Umsätzen von 1,7 Billionen Dollar – mehr als mit Drogen- und Menschenhandel eingenommen wurde.
Vermutlich der größte Brocken sind „Knockoffs“ – Fälschungen, die das Erscheinungsbild anderer Produkte imitieren, ohne Markennamen oder Logos zu kopieren. Ein lohnender Markt auch im B2B-Umfeld, wo der Schaden ebenfalls stetig ansteigt. Nach Erkenntnissen der VDMA-Studie Produktpiraterie 2020 sind im deutschen Maschinen- und Anlagenbau 74 Prozent der Unternehmen von Produktpiraterie betroffen, drei Prozentpunkte mehr als 2018. Bei Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern beträgt die Quote sogar rund 90 Prozent. „Damit erreicht die Bedrohung durch Produkt- und Markenpiraterie ein neues Allzeithoch“, so die Studienautoren.
Doch Not macht erfinderisch, und verschiedene Schutzlösungen setzen an den neuralgischen Stellen der Warensicherung an. Klassische Sicherheitsetiketten versiegeln beispielsweise Produktverpackungen, verweisen auf den Eigentümer einer Sache oder verweisen auf verbaute Originalkomponenten, etwa auf Notebooks (CPU, GPU, Energy Star). Sie lassen sich nicht rückstandsfrei ablösen und gehen bei der Erstöffnung kaputt. Zerstörte „Void-Etiketten“ beispielsweise signalisieren mit einem sichtbaren Void-Schriftzug (Englisch für „ungültig, nichtig“), dass das Paket manipuliert wurde. Mit diesem Erstöffnungsschutz („Tamper-evident“) lässt sich die Substitution von Materialien und Produkten zu einem hohen Grad ausschließen. Derartige Sicherungen sind beispielsweise Pflicht in der Pharma-, der Lebensmittel- oder der Automobilindustrie.
Siegeletiketten mit Hologramm wiederum unterstreichen den Schutz hochwertiger Waren. Auf ihrer Rückseite ist eine Aluminiumschicht aufgebracht, die sich bei verändertem Lichteinfall in den Regenbogenfarben spiegelt oder bestimmte Symbole zeigt – bekannt sind die Hologrammstreifen auf den meisten neuen Euro-Scheinen. Allerdings gibt es auch Grenzen. So wird kolportiert, dass Pharmafälscher kurzerhand zwei Hologramme auf ihre Verpackungen gedruckt haben, die somit auf Patienten „echter“ wirkten als der Originalkarton mit nur einem Hologramm. Zudem nutzt sich das Interesse an optischen Anti-Counterfeiting-Maßnahmen mit der Zeit ab – man schaut nicht mehr so genau hin.
Genauer hinschauen sollte man hingegen bei Etiketten mit randomisierten Seriennummern in undurchschaubaren Reihenfolgen. Diese erschweren den Missbrauch durch Fälscher. Nach der Etikettierung verifiziert ein Scanner den Barcode und meldet die aufgedruckte Seriennummer beispielsweise an ein SAP-System. Die eindeutige Zuordnung von Karton und Seriennummer blockiert nicht nur die Mehrfachnutzung, sondern ermöglicht gleichzeitig die genaue Zuordnung von Produkt und Empfänger.
Inzwischen verlagert sich das Rennen zwischen Schützern und Fälschern in eine neue Region. So haben im vergangenen Jahr Zoll-Mitarbeiter bundesweit 5.066.261 Fake-Produkte beschlagnahmt, heißt es in der „ZEIT“ – die meisten kamen per Post aus Asien. Insgesamt waren es 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Schluss der Autoren: „Das Geschäftsmodell der Fälscher hat sich digitalisiert.“ So machen die globalen Daten- und Warenströme Innovationen bei der Authentisierung und ihren Kennzeichen notwendig. Mit RFID-Etiketten steht seit Jahren ein erprobter Fälschungsschutz zur Verfügung, der analoge und digitale Sicherheitsmerkmale kombiniert und automatische Maßnahmen verbessert.
Authentifizierung – was und wie?
Im Gegensatz zur Identifizierung, dem Anzeigen der Identität einer Person oder Sache, wird bei der Authentifizierung diese Identität überprüft. Beispiele sind die Validierung persönlicher Dokumente, die Überprüfung der Echtheit einer Website mit einem digitalen Zertifikat oder die Kontrolle, dass ein Produkt oder Dokument nicht gefälscht ist.
Dabei gibt es drei Stufen der Authentifizierung: Wird ein Produkt von einem seriösen Händler verkauft, unterstellt der Kunde, dass die Ware „echt“ ist. Darüber hinaus kann der Abnehmer die Qualität und die Verarbeitung eines Artikels prüfen und etwa mit Originalartikeln vergleichen – das geschieht unterbewusst täglich mit Geldscheinen. In der dritten Stufe ist der Artikel besonders gekennzeichnet und wird beispielsweise von einem Zertifikat begleitet.
Auf die IT übertragen: Stufe 1 ist die Abfrage der PIN oder eines Passworts („kennen“), Stufe 2 umfasst den Check eines Tokens oder RFID-Chips („haben“), Stufe 3 kontrolliert biometrische Merkmale wie den Fingerabdruck oder die Netzhaut („sein“). Häufig werden wertvolle oder sicherheitskritische Produkte von Merkmalen in zwei oder drei Authentisierungsstufen geschützt, genannt Multi-Faktor-Authentifizierung.
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